Das Ende der Pauschale
Am 11. November 2025 hat das Bundesministerium der Finanzen mit dem Schreiben IV C 5 - S 2334/00087/014/013 die Regeln für die vom Arbeitnehmer selbst getragenen Stromkosten neu gefasst. Es ersetzt das BMF-Schreiben vom 29. September 2020. Seit dem 1. Januar 2026 gibt es keine monatliche Pauschale mehr für das Laden des Firmenwagens zu Hause.
Rechtsgrundlage der Erstattung bleibt der steuerfreie Auslagenersatz nach § 3 Nr. 50 EStG (Rn. 26 des Schreibens). Statt eines festen Monatsbetrags zählt jetzt die nachgewiesene geladene Menge, bewertet mit einem Strompreis.
Das alte System (bis 31.12.2025)
Bis Ende 2025 durfte der Arbeitgeber monatliche Pauschalen steuerfrei erstatten (BMF-Schreiben vom 29.09.2020, Rn. 24):
- Rein elektrische Fahrzeuge ohne Lademöglichkeit beim Arbeitgeber: 70 € pro Monat
- Rein elektrische Fahrzeuge mit Lademöglichkeit beim Arbeitgeber: 30 € pro Monat
- Hybrid-Fahrzeuge ohne Lademöglichkeit beim Arbeitgeber: 35 € pro Monat
- Hybrid-Fahrzeuge mit Lademöglichkeit beim Arbeitgeber: 15 € pro Monat
Für 2017 bis 2020 galten niedrigere Sätze (50/20 € bzw. 25/10 €). Die Pauschalen sind letztmals für Lohnzahlungszeiträume anzuwenden, die vor dem 1. Januar 2026 enden.
Schon damals gab es eine Alternative: Waren die tatsächlichen Kosten eines Monats höher als die Pauschale, konnte der Arbeitgeber stattdessen die tatsächlichen Kosten erstatten (BMF-Schreiben 2020, Rn. 26). Das neue Schreiben gilt für alle offenen Fälle ab 2017. Seine Regeln zur Ermittlung der tatsächlichen Kosten — Zähler, Tarif, anteiliger Grundpreis — greifen deshalb auch für die Jahre bis 2025.
Das neue System (ab 01.01.2026)
Seit dem 1. Januar 2026 wird die geladene Menge immer nachgewiesen und mit einem von zwei Strompreisen bewertet:
Option 1 — tatsächliche Kosten nach deinem Tarif: Maßgeblich ist in der Regel der Strompreis aus deinem Vertrag mit dem Stromanbieter. Neben dem Arbeitspreis je kWh ist auch ein zu zahlender Grundpreis anteilig zu berücksichtigen (Rn. 28). Bei einem dynamischen Tarif dürfen die durchschnittlichen monatlichen Kosten je kWh einschließlich anteiligem Grundpreis angesetzt werden. Ein Eigenbeleg über den Strompreis ist nicht zulässig.
Option 2 — Strompreispauschale: Statt des eigenen Tarifs darf der vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Durchschnittsstrompreis für private Haushalte angesetzt werden, und zwar der Wert des 1. Halbjahres des Vorjahres, auf volle Cent abgerundet (Rn. 30). Für 2026 sind das 34 Cent je kWh (veröffentlicht: 34,36 Cent). Die Strompreispauschale deckt sämtliche Stromkosten der häuslichen Ladevorrichtung ab, also auch den Grundpreis.
Wichtig für beide Optionen:
- Die Menge muss gemessen sein. Rn. 27 verlangt einen gesonderten stationären oder mobilen Stromzähler — ausdrücklich genannt sind wallbox- oder fahrzeuginterne Zähler.
- Die Wahl gilt für das ganze Kalenderjahr. Zwischen Tarif und Strompreispauschale wird einheitlich für das Kalenderjahr entschieden (Rn. 30).
- Öffentliches Laden kommt dazu. Ladestrom von einem Dritten, etwa an einer öffentlichen Säule, darf zusätzlich anhand der Belege erstattet werden (Rn. 31).
Und für den Privatwagen: Erstattet der Arbeitgeber die Stromkosten für ein privates Fahrzeug, ist das steuerpflichtiger Arbeitslohn (Rn. 25). Dienstfahrten mit dem Privatwagen kann der Arbeitgeber stattdessen als Reisekosten steuerfrei erstatten (§ 3 Nr. 16 EStG), zum Beispiel mit den gesetzlichen Kilometersätzen.
Vergleichsrechnung: Alt vs. Neu
Wie sich die Änderung finanziell auswirkt, hängt stark vom individuellen Ladeverhalten ab. Drei Beispiele für rein elektrische Firmenwagen ohne AG-Lademöglichkeit, gerechnet mit der Strompreispauschale:
Szenario A — 200 kWh/Monat (Durchschnittsfahrer):
- Alt: 70 € × 12 = 840 € pro Jahr
- Neu (Strompreispauschale): 200 × 0,34 € × 12 = 816 € pro Jahr
- Differenz: -24 € (nahezu gleich)
Szenario B — 300 kWh/Monat (Vielfahrer):
- Alt: 70 € × 12 = 840 € pro Jahr
- Neu (Strompreispauschale): 300 × 0,34 € × 12 = 1.224 € pro Jahr
- Differenz: +384 € pro Jahr
Szenario C — 100 kWh/Monat (Wenigfahrer):
- Alt: 70 € × 12 = 840 € pro Jahr
- Neu (Strompreispauschale): 100 × 0,34 € × 12 = 408 € pro Jahr
- Differenz: -432 € pro Jahr
Der Break-even liegt bei circa 206 kWh pro Monat. Wer mehr lädt, kommt mit dem neuen System auf einen höheren Betrag, wer weniger lädt, auf einen niedrigeren. Mit dem eigenen Tarif sieht die Rechnung anders aus: Liegt dein Arbeitspreis samt Grundpreis-Anteil über 34 Cent, ergibt der Tarif mehr.
Alle Zahlen sind Rechenbeispiele. Was dein Arbeitgeber tatsächlich erstattet, hängt von deinen gemessenen kWh und eurer Vereinbarung ab.
Was du jetzt dokumentieren musst
- Gesonderter Zähler: Ein Zähler, der nur den Ladestrom misst — zum Beispiel der Zähler in der Wallbox, ein Zwischenzähler oder der Zähler im Fahrzeug (Rn. 27). Eine Eichung oder MID-Konformität nennt das BMF-Schreiben nicht; ob dein Arbeitgeber sie verlangt, klärst du mit ihm.
- Geladene kWh je Ladung: Die Menge muss aus dem Zähler stammen, nicht geschätzt sein. Am einfachsten ist eine zeitnahe Erfassung jeder Ladung statt einer Monatssumme aus dem Gedächtnis.
- Stromvertrag: Wer mit dem eigenen Tarif abrechnet, braucht den Vertrag bzw. die Rechnung des Stromanbieters. Ein Eigenbeleg reicht nicht (Rn. 28).
- Grundpreis und Haushaltsverbrauch: Für den anteiligen Grundpreis brauchst du den Grundpreis aus dem Vertrag und eine Grundlage für die Aufteilung. Das Schreiben legt nicht fest, wie der Anteil zu bilden ist; gebräuchlich ist das Verhältnis von Ladestrom zu Haushaltsverbrauch.
- Belege für öffentliches Laden: Rechnungen der Ladesäulen-Anbieter, soweit du selbst bezahlt hast.
- Trennung geschäftlich/privat: Lädt an derselben Wallbox auch ein Privatauto, müssen die Ladungen des Firmenwagens getrennt nachweisbar sein.
Häufige Fehler bei der Umstellung
1. Alte Pauschale einfach weiter auszahlen
Die Monatspauschalen sind letztmals für Lohnzahlungszeiträume vor dem 1. Januar 2026 anzuwenden. Wer sie 2026 weiter zahlt, sollte das umgehend mit der Lohnbuchhaltung klären.
2. Kein gesonderter Zähler
Ohne einen Zähler, der nur den Ladestrom erfasst, gibt es keine nachgewiesene Menge — und damit weder für den Tarif noch für die Strompreispauschale eine Grundlage. Viele Wallboxen haben einen solchen Zähler eingebaut; ein Blick ins Datenblatt lohnt sich.
3. Schätzungen statt Messungen
"Ich lade ungefähr 200 kWh pro Monat" — das reicht nicht. Rn. 27 verlangt den Nachweis per Zähler. Zettelwirtschaft und Excel-Tabellen machen diesen Nachweis mühsam.
4. Grundpreis vergessen
Wer mit dem eigenen Tarif abrechnet und nur den Arbeitspreis ansetzt, rechnet zu niedrig: Der Grundpreis ist anteilig zu berücksichtigen (Rn. 28). Bei der Strompreispauschale ist er bereits enthalten.
5. Fehlende Trennung geschäftlich/privat
Wer die Wallbox auch privat nutzt (z. B. für den Zweitwagen), muss den Anteil des Firmenwagens sauber trennen. Das geht am einfachsten mit einer App, die Fahrzeuge getrennt verwaltet — wie LadeKosten.
6. Dokumentation erst am Jahresende nachholen
Wer am Jahresende alle 12 Monate nachträgt, hat Lücken, die sich nicht mehr schließen lassen. Zeitnah erfasste Ladungen sind der sauberere Nachweis.
Sonderfälle: Hybrid, PV-Anlage, Mietwohnung, Privatwagen
Hybrid-Fahrzeuge
Für Plug-in-Hybride gelten ab 2026 dieselben Regeln wie für rein elektrische Fahrzeuge. Der Stromverbrauch ist meist niedriger (50–100 kWh/Monat): Bis 2025 gab es 35 € im Monat, heute sind es zum Beispiel bei 75 kWh × 0,34 € = 25,50 € im Monat.
PV-Anlage
Wird die Wallbox auch aus der eigenen Photovoltaik-Anlage gespeist, darf trotzdem der Tarif des Stromanbieters für den Haushalt angesetzt werden, samt anteiligem Grundpreis (Rn. 29). Die Strompreispauschale gilt ausdrücklich auch bei PV (Rn. 30). Einen niedrigeren „PV-Strompreis" musst du also nicht ansetzen.
Mietwohnung ohne Wallbox
In einer Mietwohnung ohne eigene Wallbox ist das Laden an der Haushaltssteckdose (Schuko) möglich, aber die Messung schwierig. Ein zwischengeschalteter Energiemessadapter kann ein mobiler Zähler im Sinne der Rn. 27 sein; ob dein Arbeitgeber ihn akzeptiert, klärst du vorher. Die sauberste Lösung ist eine Wallbox mit eingebautem Zähler — als Mieter kannst du nach § 554 BGB verlangen, dass der Vermieter den Einbau einer Lademöglichkeit erlaubt.
Privatwagen
Für ein privates E-Auto gilt die Steuerfreiheit nicht: Die Erstattung der Stromkosten ist steuerpflichtiger Arbeitslohn (Rn. 25). Dienstfahrten können stattdessen als Reisekosten erstattet werden (§ 3 Nr. 16 EStG).
Tarif oder Strompreispauschale — was passt?
Die Wahl hängt von deinem Stromvertrag ab:
- Tarif (Arbeitspreis plus Grundpreis-Anteil) über 34 Cent je kWh: Der eigene Tarif ergibt den höheren Betrag.
- Tarif unter 34 Cent je kWh: Die Strompreispauschale ergibt mehr — zum Beispiel bei günstigen Tarifen. Mit PV-Anlage ist der Tarif des Stromanbieters maßgeblich, nicht der Wert des eigenen Solarstroms.
Wichtig: Die Wahl gilt einheitlich für das ganze Kalenderjahr (Rn. 30). Ein Wechsel während des Jahres ist nicht vorgesehen.
Österreich: Kostenersatz nach § 4c Sachbezugswerteverordnung
In Österreich gilt eine eigene Regel. Lädt der Arbeitnehmer ein emissionsfreies Firmenauto zu Hause, kann der Arbeitgeber die Kosten nach § 4c Sachbezugswerteverordnung ersetzen: nachgewiesene kWh mal dem amtlichen Strompreis des Jahres. Für 2025 sind das 35,889 Cent je kWh, für 2026 32,806 Cent je kWh. Den Wert für 2027 legt das Finanzministerium bis Ende November fest.
- Die Menge muss dem Firmenauto zuordenbar sein, zum Beispiel über die Wallbox.
- Von 2023 bis 2025 gab es eine Pauschale von 30 € im Monat, wenn die Zuordnung nicht möglich war. Ab 2026 gibt es diese Pauschale nicht mehr.
- Öffentliches Laden kann zusätzlich mit Beleg ersetzt werden; Laden beim Arbeitgeber ist unentgeltlich.
- Plug-in-Hybride fallen nicht unter § 4c, die Regel gilt nur für emissionsfreie Fahrzeuge.
Was Arbeitgeber jetzt tun müssen
- Monatspauschale einstellen: Für Lohnzahlungszeiträume ab Januar 2026 ist sie nicht mehr vorgesehen.
- Messung prüfen: Haben alle Arbeitnehmer mit Heimladung einen gesonderten Zähler? Falls nicht, klären, wer die Kosten für einen Zähler oder eine Wallbox trägt.
- Verfahren festlegen: Tarif oder Strompreispauschale — die Wahl gilt für das Kalenderjahr.
- Monatliche Datenerfassung einrichten: Wie kommen die kWh, Tarifangaben und Belege zur Lohnbuchhaltung?
- Lohnabrechnung anpassen: Der steuerfreie Auslagenersatz muss korrekt in der Lohnabrechnung abgebildet werden.
- Unterlagen aufbewahren: Nachweise gehören zu den Lohnunterlagen und unterliegen deren Aufbewahrungsfristen.
Wie Nachweise, Zuständigkeiten und Ablage im Unternehmen organisiert werden, beschreibt unser Leitfaden für Arbeitgeber.
So hilft die LadeKosten App
- Automatische kWh-Erfassung: Über die Wallbox-Integration werden Ladevorgänge mit den kWh aus dem Wallbox-Zähler erfasst. Manuell erfasste Ladungen kannst du als „per Zähler abgelesen" kennzeichnen.
- Beide Wege gerechnet: Ab 2026 zeigt die App Tarif und Strompreispauschale für das Jahr, bis 2025 je Monat die Pauschale oder die höheren tatsächlichen Kosten. Grundpreis und Haushaltsverbrauch hinterlegst du je Jahr; die App berechnet daraus den Grundpreis-Anteil.
- Dienstwagen markieren: Alle Ladungen des Fahrzeugs im Firmenwagen-Zeitraum zählen, auch die automatisch erfassten. Öffentliche Ladungen mit Beleg kommen dazu, mit der Ladekarte des Arbeitgebers bezahlte bleiben außen vor.
- Fertige Nachweise: Erstattungs-Report als PDF für den Arbeitgeber, DATEV-Export für den Steuerberater und ein CSV-Export aller Ladungen für Excel.
- Saubere Buchführung: Lückenlose Belegnummern, Storno und Fahrzeugwechsel statt Löschen, optional eine Monatsabschluss-Sperre.
- Österreich: Im Markt Österreich rechnet die App den Kostenersatz nach § 4c Sachbezugswerteverordnung.
Checkliste: Bist du auf 2026 vorbereitet?
- Gesonderter Zähler vorhanden? — Prüfe, ob deine Wallbox einen Zähler hat, oder lass einen Zwischenzähler installieren.
- Verfahren gewählt? — Tarif oder Strompreispauschale von 34 Cent? Vergleiche mit deinem Tarif inklusive Grundpreis-Anteil.
- Grundpreis und Haushaltsverbrauch notiert? — Beides steht auf der Jahresabrechnung deines Stromanbieters.
- Dokumentations-Tool eingerichtet? — LadeKosten App installieren, Fahrzeug anlegen und als Dienstwagen markieren. 14 Tage kostenlos testen.
- Arbeitgeber informiert? — Kläre mit der Personalabteilung, welches Verfahren gilt und wie die Daten übermittelt werden.
- Ersten Monat dokumentiert? — Der erste Monat zeigt, ob der Ablauf funktioniert.
- Geschäftlich/privat getrennt? — Falls du die Wallbox auch privat nutzt, trenne die Fahrzeuge in der App.
Fazit: Mehr Aufwand, aber auch mehr Fairness
Die Abschaffung der Pauschale bedeutet mehr Dokumentationsaufwand — das ist unbestreitbar. Gleichzeitig richtet sich der Betrag jetzt nach der tatsächlich geladenen Menge: Wer viel lädt, kommt auf mehr, wer wenig lädt, auf weniger.
Bei 300 kWh im Monat ergibt die Strompreispauschale 1.224 € im Jahr statt früher 840 €. Voraussetzung ist ein gesonderter Zähler und eine lückenlose Erfassung. Mit einer Wallbox und einer App wie LadeKosten wird daraus ein Ablauf, der im Monat nur wenige Minuten kostet.
Du fragst dich, wer eigentlich eine Ladekosten-App braucht? Oder willst wissen, warum Excel dafür nicht reicht? Schau dir auch den Vergleich LadeKosten vs. Steuerberater an oder lies, welche Apps 2026 die besten für die Ladekostendokumentation sind.
Quellen
- § 3 EStG, Nr. 50 (Auslagenersatz) und Nr. 16 (Reisekosten)
- BMF-Schreiben vom 11.11.2025, IV C 5 - S 2334/00087/014/013, Rn. 25 bis 31 und Anwendungsregelung
- BMF-Schreiben vom 29.09.2020, Rn. 24 und 26 (Monatspauschalen bis 2025)
- Bundesministerium der Finanzen — Lohnsteuer
- Österreich: § 4c Sachbezugswerteverordnung; amtliche Strompreise laut Findok (BMF Österreich) für 2025 und 2026
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine Steuerberatung. Wende dich für deinen Einzelfall an einen Steuerberater.